Zielgerichtete Krebstherapien

Zielgerichtete Therapie – was bedeutet das genau?

Das Ziel einer Krebstherapie ist es, möglichst alle Krebszellen zu vernichten. Sowohl eine Operation als auch eine Strahlentherapie wirkt in der Regel direkt am Tumor, d. h., mögliche gestreute Krebszellen werden ggf. nicht erwischt. Eine Chemotherapie dagegen wirkt systemisch (im ganzen Körper) und kann damit auch gestreute Krebszellen angreifen. Sie ist aber in der Regel mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden, weil sie auch gesunde Zellen angreift.

 

Eine zielgerichtete Therapie (abgeleitet von dem englischen Begriff „targeted therapy“) wirkt ebenfalls systemisch, greift aber, wie der Name schon sagt, zielgerichteter in das Wachstum oder die Vermehrung von Krebszellen ein. Ziel einer solchen Therapie können z. B. Rezeptoren auf der Oberfläche von Krebszellen, Botenstoffe, die für das Wachstum der Krebszelle wichtig sind, oder Signalmoleküle innerhalb der Krebszelle sein.1,2

Jede Zelle trägt auf ihrer Außenseite Strukturen, sogenannte Rezeptoren, mit denen sie mit ihrer Umgebung in Kontakt treten kann. Dafür dockt ein bestimmtes Molekül, z. B. ein Botenstoff, an einen Rezeptor an. Nur bestimmte Botenstoffe passen dabei zu bestimmten Rezeptoren – so wie nur ein einziger Schlüssel in ein bestimmtes Schloss passt.

Durch die Bindung eines Botenstoffes an einen Rezeptor wird ein Signal in der Zelle ausgelöst, z. B., dass sich die Zelle teilen soll. Normalerweise passiert das nur, wenn es für die Funktion des Körpers auch nötig ist. Passiert dies unkontrolliert, teilen sich Zellen zu häufig und es kann ein Tumor entstehen. Um das unkontrollierte Wachstum zu hemmen, greifen zielgerichtete Medikamente in genau diesen Mechanismus ein.

Zielgerichtete Therapien können an folgenden Punkten angreifen:

  • Beeinflussung der Botenstoffe, sodass diese nicht mehr an den Rezeptor andocken können
  • Beeinflussung der Rezeptoren, sodass keine Botenstoffe mehr andocken können
  • Stören der Signalwege in der Zelle

Ziel der Therapie ist, das unkontrollierte Zellwachstum direkt aufzuhalten.2

Wenn die Zellteilung außer Kontrolle gerät

 

Es gibt zahlreiche verschiedene Rezeptortypen und Botenstoffe mit unterschiedlichen Funktionen. Die Zellteilung ist ein Beispiel dafür. Krebszellen erhalten meistens unkontrolliert das Signal, sich teilen zu müssen. Das geschieht über sogenannte Wachstumsfaktor-Rezeptoren. Zwar kommen diese auch bei gesunden Zellen vor, aber bei Krebszellen kann die Anzahl bis zu 100-mal größer sein. Dies ist vereinfacht dargestellt einer der Gründe, warum Krebszellen sich häufiger und schneller teilen, da sie viel öfter ein Signal zur Zellteilung erhalten. Weitere Gründe können gestörte Signalwege innerhalb der Zelle sein, die ebenfalls dazu führen, dass sich Krebszellen öfter als gesunde Zellen teilen. Für die Krebstherapie sind daher besonders die Wachstumsfaktor-Rezeptoren und ihre Signalwege von Interesse, da sie die Zellteilung beeinflussen.2

Vier illustrierte Reagenzgläser im Ständer mit einer blauen Flüssigkeit

Grundsätzlich können zielgerichtete Therapien nur dann wirken, wenn die jeweilige Zielstruktur in den Krebszellen auch tatsächlich vorhanden ist. Daher wird dies vor dem Einsatz einer solchen Therapie in der Regel zunächst mittels Labortests festgestellt.

Zielgerichtete Therapien werden vor allem für Patienten eingesetzt, bei denen sich die Krebserkrankung schon weit ausgebreitet hat. Dann kann die Behandlung dazu beitragen, das weitere Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und die Symptome zu lindern.1,2

 

Zielgerichtete Medikamente können als Infusion, als Tablette oder auch als Spritze unter die Haut (subkutan) gegeben werden. Auch in Kombination mit einer Chemotherapie (siehe auch Immunchemotherapie) oder einer Strahlentherapie werden zielgerichtete Arzneimittel eingesetzt.1 Lymphom-Patienten, bei denen die Erkrankung weit fortgeschritten ist oder für die keine weitere Immunchemotherapie möglich ist, können ebenfalls mit zielgerichteten Therapien behandelt werden, um das Voranschreiten der Erkrankung zu stoppen.1

Zielgerichtete Arzneimittel greifen – anders als beispielsweise eine Chemotherapie – hauptsächlich die Krebszellen an, können jedoch auch gesunde Zellen beeinflussen. Daher können während der Behandlung Nebenwirkungen auftreten. Diese können ganz unterschiedlich sein – je nachdem, mit welchem Arzneimittel die Therapie erfolgt. Beispielsweise können Juckreiz der Haut und Veränderungen an Haaren und Nägeln auftreten. Ebenfalls kann es zu Magen-Darm-Problemen wie Durchfall kommen oder zu Beeinträchtigungen von Herz und Blutkreislauf, Schilddrüse oder Leber. In der Regel sind die Nebenwirkungen zielgerichteter Therapien bereits bekannt und der Arzt kann deshalb genau überwachen, ob und wann es zum Auftreten von Nebenwirkungen kommt.1

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Diese Informationen stellen daher keinen Ersatz für eine individuelle Beratungs- oder Behandlungsleistung, Empfehlung oder medizinische Diagnose durch einen Arzt dar und dienen keinesfalls der Selbstdiagnose.

* Hierbei handelt es sich um eine allgemeine und keine vollständige Übersicht der Nebenwirkungen. Diese sind den Gebrauchsinformationen der entsprechenden Arzneimittel zu entnehmen.

Quellen

  1. 1. Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum. Zielgerichtete Krebstherapie: Das Tumorwachstum punktgenau hemmen. Online verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/gezielte-krebstherapie.php (abgerufen am 14.12.2023).
  2. 2. Onko Internetportal: Zielgerichtete Therapien. Online verfügbar unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/therapieformen/molekularbiologische-therapie/articles/onko-internetportal-basis-informationen-krebs-therapieformen-molekularbiologische-therapie.html (abgerufen am 14.12.2023).