Stammzelltransplantation

Als Stammzellen werden Ursprungszellen im menschlichen Körper bezeichnet, die sich zu unterschiedlichen Zellarten weiterentwickeln können. Blutstammzellen befinden sich im Knochenmark, aber auch im Blutkreislauf. Es gibt zwei Formen der Stammzelltransplantation: Bei der autologen Stammzelltransplantation sind Spender und Empfänger dieselbe Person. Bei der allogenen Stammzelltransplantation hingegen stammen die Blutstammzellen von einem geeigneten Fremd- oder Familienspender. Die Gewinnung der Blutstammzellen erfolgt mittels Stammzellapherese (Sammlung von Blutstammzellen). Die gewonnenen Zellen werden meist bis zur Transplantation in flüssigem Stickstoff bei –196 °C gelagert und anschließend dem Patienten mittels einer Transfusion, d.h. über einen Tropf in die Vene übertragen.1

Autologe Stammzelltransplantation

Bei der autologen Stammzelltransplantation sind Spender und Empfänger dieselbe Person.

Wie läuft eine autologe Stammzelltransplantation beim diffus großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) ab?

Bei der autologen Stammzelltransplantation unterscheidet man verschiedene Schritte, die nacheinander durchgeführt werden:1

  • Induktion (Einleitung): Zunächst erhält der Patient zwei bis drei Zyklen einer intensiven Chemotherapie, die einen Großteil der Tumorzellen zerstören soll. Durch die Chemotherapie gehen aber auch gesunde weiße Blutkörperchen zugrunde, was dazu führt, dass das blutbildende System des Patienten vermehrt Stammzellen produziert. Aus diesen Stammzellen können neue weiße Blutkörperchen entstehen. Die meisten dieser Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Wird der Patient mit bestimmten Arzneimitteln behandelt, erhöht sich die Zahl der Stammzellen im Blut.
  • Stammzellapherese (Sammlung von Blutstammzellen): Wenn sich genügend Stammzellen im Blut befinden, wird der Patient an eine Apherese-Maschine angeschlossen. Diese filtert Stammzellen aus dem Blut heraus und führt alle nicht für die Stammzelltransplantation benötigten Blutzellen wieder in den Blutkreislauf des Patienten zurück.
  • Konditionierung (Hochdosistherapie): Nachdem genügend Stammzellen gesammelt wurden, erhält der Patient eine weitere Chemotherapie. Sie ist hoch dosiert und hat das Ziel, die restlichen Tumorzellen zu vernichten. Auch das Knochenmark des Patienten wird durch die Hochdosis-Chemotherapie zerstört. Manchmal wird diese Therapie mit einer Ganzkörperbestrahlung (Strahlentherapie des gesamten Körpers) kombiniert.
  • Transplantation (Übertragung der Blutstammzellen): Etwa zwei Tage nach der Konditionierung erhält der Patient seine eigenen Blutstammzellen über eine Vene zurückübertragen. Sie wandern in das Knochenmark und beginnen nach etwa zehn Tagen, neue weiße und rote Blutkörperchen und Blutplättchen zu bilden.

 

Für befriedigende Behandlungsergebnisse ist es wichtig, dass der Patient auf die Induktionstherapie anspricht. Nur dann erscheint eine Hochdosistherapie gefolgt von autologer Stammzelltherapie sinnvoll.2

Mögliche Nebenwirkungen nach autologer Stammzelltransplantation*

Die im Rahmen einer autologen Stammzelltransplantation verabreichte Hochdosis-Chemotherapie führt nicht selten zu einer Schädigung der Schleimhäute: Beobachtet werden eine (schmerzhafte) Entzündung der Mundschleimhaut bzw. Schluckbeschwerden oder Durchfall, wenn die Schleimhaut in der Speiseröhre oder im Darm betroffen ist. Darüber hinaus ist die Infektionsgefahr deutlich erhöht.1

Allogene Stammzelltransplantation

DLBCL-Patienten mit einem Krankheitsrückfall können unter bestimmten Bedingungen auch mit einer allogenen Stammzelltransplantation behandelt werden. Allogen bedeutet, dass die Blutstammzellen nicht vom Patienten selbst, sondern von einem geeigneten Fremd- oder Familienspender kommen. Voraussetzung ist allerdings, dass man einen geeigneten Spender findet, dessen wesentliche Gewebemerkmale mit denjenigen des Patienten übereinstimmen.1

Wie läuft eine allogene Stammzelltransplantation beim DLBCL ab?

Der Ablauf erfolgt ähnlich dem einer autologen Stammzelltransplantation: Hierbei werden dem Spender die Blutstammzellen nach Behandlung mit bestimmten Wachstumsfaktoren durch eine Stammzellapherese entnommen. Nur selten gewinnt man die Stammzellen aus dem Knochenmark des Beckenkamms. Nach Konditionierung (Hochdosistherapie) werden dem Patienten die Stammzellen mittels Transfusion, d.h. über einen Tropf in eine Vene übertragen.1

Das sich nun neu bildende Immunsystem greift die Krebszellen an, die potenziell die Hochdosistherapie überlebt haben. Denn im Gegensatz zur Situation nach einer autologen Stammzelltransplantation erkennt das übertragene Immunsystem die Lymphomzellen des Patienten als fremd und greift sie an. Diese Wirkung wird auch als „Graft-versus-Lymphom-Reaktion“ (= GvLR; deutsch: Transplantat-gegen-Lymphom-Reaktion) bezeichnet.2

Mögliche Nebenwirkungen nach allogener Stammzelltransplantation*

Risikoreicher als eine autologe ist eine allogene Stammzelltransplantation (mit Zellen eines Fremd- oder Familienspenders), da das Risiko besteht, dass der Patient das fremde Immunsystem abstößt. Die Infektionsgefahr nach allogener Transplantation ist stark erhöht, weshalb die Patienten nach der Transplantation meist in einem Einzelzimmer behandelt und gegen die Einschleppung von Krankheitserregern isoliert werden.1

Außerdem kann es nach allogener Stammzelltransplantation zu einer sogenannten „Graft-versus-Host-Reaktion“ (= GvHR; deutsch: Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion) kommen. Dies bedeutet, dass sich die Abwehrzellen des Spender-Immunsystems gegen die normalen Zellen im Körper des Empfängers richten.1 Man unterscheidet zwei Formen der GvHR: Die akute GvHR ist eine systemische (den ganzen Körper betreffende), entzündliche Erkrankung, die meist innerhalb der ersten Wochen bei 30–60 % der Patienten nach allogener Stammzelltransplantation auftritt und zur Schädigung insbesondere von Darm, Haut und Leber führt.3 Die chronische GvHR tritt bei ca. 50 % der Patienten, meist 2–18 Monate nach allogener Stammzelltransplantation auf. Am häufigsten betroffen sind Haut, Augen, Mundschleimhaut, Speicheldrüsen, genitale Schleimhäute, Darm, Leber, Faszien oder Lunge. Die chronische GvHR ist für ca. 25 % der Todesfälle nach allogener Stammzelltransplantation mit verantwortlich.4

Aufgrund der beträchtlichen Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der allogenen Stammzelltransplantation ist eine umfassende Langzeitnachsorge erforderlich, die durch eine enge Kooperation zwischen Hausarzt, niedergelassenen Fachärzten, Patient und Transplantationszentrum gewährleistet wird.5

 

* Hierbei handelt es sich um eine allgemeine und keine vollständige Übersicht der Nebenwirkungen.

Quellen

  1. Kompetenznetz Maligne Lymphome: „Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom. Information für Patienten“. 1. Aufl. 2016.
  2. Onkopedia Leitlinie „Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom“. Stand: November 2018.
  3. Onkopedia Leitlinie „Graft-versus-Host Erkrankung, akut“. Stand: Januar 2020.
  4. Onkopedia Leitlinie „Graft-versus-Host Erkrankung, chronisch“. Stand: März 2019.
  5. Hilgendorf I et al. Dtsch Arztebl Int 2015;112:51–8.