Zielgerichtete Krebstherapien

Zielgerichtete Therapie – was bedeutet das genau?

Der Begriff „zielgerichtete Therapie“ leitet sich von der englischen Bezeichnung „targeted therapy“ ab und steht für eine Gruppe von Medikamenten, die gezielt in das Wachstum oder die Vermehrung von Krebszellen eingreifen. Anders als beispielsweise eine Chemotherapie wirken zielgerichtete Medikamente nicht gegen alle sich vermehrenden menschlichen Zellen, sondern greifen insbesondere die Eigenschaften der Krebszelle an, die für die übermäßige Vermehrung verantwortlich sind.1

Damit zielgerichtete Therapien wirken, muss die Krebszelle somit genau das Zielmerkmal tragen, das vom jeweiligen Medikament erkannt wird. Welche Therapie der Arzt wählt, hängt deshalb nicht nur von der jeweiligen Krebserkrankung ab, sondern auch von den biologischen Eigenschaften der Krebszellen.

 

Für wen eignet sich eine zielgerichtete Krebstherapie?

Zielgerichtete Therapien werden vor allem für Patienten eingesetzt, bei denen sich die Krebserkrankung schon weit ausgebreitet hat. Dann kann die Behandlung dazu beitragen, das weitere Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und die Symptome zu lindern.1

Zielgerichtete Medikamente können als Infusion, als Tablette oder auch als Spritze unter die Haut gegeben werden. Auch in Kombination mit einer Chemotherapie oder einer Strahlentherapie werden zielgerichtete Medikamente eingesetzt.1

Zielgerichtete Medikamente bei Lymphomen

Auch Lymphom-Patienten, bei denen die Erkrankung weit fortgeschritten ist oder für die keine weitere Immunchemotherapie möglich ist, können mit zielgerichteten Therapien behandelt werden.1

Eine Form der zielgerichteten Therapie sind Tyrosinkinase-Inhibitoren, z.B. mit dem Wirkstoff Ibrutinib, welcher u.a. beim fortgeschrittenen Mantelzell-Lymphom zum Einsatz kommt. Ibrutinib wird als Tablette eingenommen und in der Regel gut vertragen.3
Mit Lenalidomid (alleine oder in Kombination mit dem Antikörper Rituximab), einem Arzneistoff aus der Gruppe der Immunmodulatoren, können Patienten behandelt werden, die Ibrutinib nicht vertragen.2,3
Auch das Medikament Temsirolimus, ein mTOR-Inhibitor, wird zur Behandlung von weit fortgeschrittenen Lymphomen eingesetzt. Dieses Medikament hemmt gezielt die Produktion des Eiweißes Cyclin D1, wodurch das unkontrollierte Wachstum der Krebszellen gestoppt werden kann.2,3
Die Medikamente Bortezomib (Proteasom-Inhibitor) und Venetoclax (Bcl-2-Hemmer) können – alleine oder in Kombination mit dem Antikörper Rituximab oder einer Chemotherapie – ebenfalls zur Therapie nach einem Rückfall eingesetzt werden.2,3

Nebenwirkungen zielgerichteter Krebstherapien*

Zielgerichtete Medikamente greifen – anders als beispielsweise eine Chemotherapie – hauptsächlich die Krebszellen an, jedoch keine gesunden Zellen. Dennoch können während der Behandlung Nebenwirkungen auftreten. Diese können ganz unterschiedlich sein – je nachdem, mit welchem Medikament die Therapie erfolgt. Beispielsweise können Juckreiz der Haut und Veränderungen an Haaren und Nägeln auftreten. Ebenfalls kann es zu Magen-Darm-Problemen wie Durchfall kommen oder zu Beeinträchtigungen von Herz und Blutkreislauf, Schilddrüse oder Leber. In der Regel sind die Nebenwirkungen zielgerichteter Therapien bereits bekannt und der Arzt kann deshalb genau überwachen, ob und wann es zum Auftreten von Nebenwirkungen kommt.1

Bitte beachten Sie, dass die auf dieser Website aufgelisteten Therapieoptionen ausschließlich Ihren Informationszwecken dienen und keinen Anspruch auf fachliche Vollständigkeit bieten.
Diese Informationen stellen daher keinen Ersatz für eine individuelle Beratungs- oder Behandlungsleistung, Empfehlung oder medizinische Diagnose durch einen Arzt dar und dienen keinesfalls der Selbstdiagnose.

* Hierbei handelt es sich um eine allgemeine und keine vollständige Übersicht der Nebenwirkungen. Diese sind den Gebrauchsinformationen der entsprechenden Arzneimittel zu entnehmen.

Quellen

  1. Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum. Zielgerichtete Krebstherapie: Das Tumorwachstum punktgenau hemmen. Online verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/gezielte-krebstherapie.php (abgerufen im April 2021).
  2. Kompetenznetz Maligne Lymphome: „Mantelzell-Lymphom – Informationen für Patienten und Angehörige“. 5. Aufl. 2019.
  3. Onkopedia-Leitlinie „Mantelzell-Lymphom“. Stand: Mai 2021.
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